• Daniel Allertseder

Todesschmerz


Und wieder ist der neue Fall von Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez ihre wohl größte Herausforderung: Die deutsche Botschafterin in Oslo wurde während eines Tohuwabohu im Gebäude ermordet. Aus irgendeinem Grund müssen Sneijder und Nemez dorthin und den Fall lösen - natürlich zuerst lediglich als Beobachter und Berater. Dass dies nicht so bleiben wird, wissen wir. Maarten und Sabine wirken müde, ausgelaugt, farblos. Es scheint, als wären beide des Themas und des kriminalistischen Geschäfts überdrüssig. Sie haben keine Kraft mehr, Sneijders Humor schwindet, er wird gar zum Philanthrop, zum Teamplayer. Sein Team - dazu gehören Krysztof, Horowitz und Marc - retten die Situationen nicht immer, wirken Fehl am Platze. Das Dreamteam um Nemez und Sneijder war in den vorherigen Teilen besser. Dadurch, dass Sneijder eine ganze Belegschaft an der Leine hat, fehlt die Dynamik im Thriller, fehlt diese gewisse Eigenständigkeit.


Dieses Mal muss ich tatsächlich sagen, dass der neue Thriller aus der Feder von Andreas Gruber sehr schleppend und zäh war. Bei Grubers Thrillern finde ich die explosive Stimmung, die ausgefallenen Settings und intelligenten Täter immer wieder aufs Neue hervorragend überlegt und auch immer gut umgesetzt. Bei "Todesschmerz" aber war alles anders. Während der ersten Hälfte des Buches liest man sich durch ein anhaltendes Bürokratie- und Behördenchaos, welches wenig bis gar keine Fahrt aufnimmt. Sneijder und sein Team reisen nach Norwegen, der Konflikt - der Tod der deutschen Botschafterin in Oslo - ist so unspektakulär und gewöhnlich wie in Kriminalromanen seichter Art. Ich war etwas überrascht, und auch enttäuscht, da ich weder einen sich zuspitzenden Konflikt, noch eine anschwellende Spannung fand. Ich gebe es zu: Ich habe mich gelangweilt.


Daran lag es tatsächlich grundlegend. Nicht nur am veränderten Wesen von Sneijder und Nemez und deren Begleitung, sondern auch daran, dass der Fall sehr schleppend erzählt wurde, und diese typische, Gruber'sche Art vermisst wurde.


Der Schreibstil - um dies selbstverständlich noch flugs hinzuzufügen, ist unverändert grandios. Ein Meister der Sprache, wie ich es immer schon gesagt habe. Andreas Gruber spielt mit den Worten, als wären sie von ihm erschaffen.


3 von 5 Sterne


Titel: Todesschmerz

Autor: Andreas Gruber

Verlag: Goldmann

Format: Taschenbuch

Seiten: 587

ISBN: 978-3-442-49109-4

Preis: 12,00 €

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