• Daniel Allertseder

Tage- und Notizbücher


Patricia Highsmith war eine Autorin, die es geschafft hat, Romane zu schreiben, die an die psychische Belastungsgrenze eines Jeden gingen. Subtiler Eskapismus, Diversität und seelische Divergenzen waren übergeordnete Themen ihrer Romane, wie beispielsweise bei ihren Bestsellern "Salz und sein Preis" oder "Ediths Tagebuch". So grandios Highsmith schreiben und erzählen konnte, so opak und finster war die Autorin selbst in ihrem Dasein. Sie war allein, hatte homoerotische Neigungen, mit denen sie zwar zu kämpfen hatte, die sie aber nicht verbarg. Patricia Highsmith ist ein Kunstwerk, eine so faszinierende Frau, über die es bereits bei Diogenes einige Biographien und Darstellungsversuche gibt. Nichts aber zeichnet die intelligente aber isolierte Schriftstellerin mehr als ihre eigenen Tage- und Notizbücher, die als Opus bei Diogenes erschienen sind, zusammengetragen und veröffentlicht von Highsmiths langer Begleiterin, Anna von Planta. Wir erleben Highsmith von ganz anderen Seiten - von verständlichen, emotionalen und sympathischen; aber auch von dunklen, fiesen und gar fremdenfeindlichen Seiten. Und hier sei deutlich gesagt, dass die Diskussion um die Indizierung etwaiger Formulierungen im Buch nicht relevant ist, denn nur so kann die Autorin von allen Seiten kennengelernt werden. An dieser Stelle möchte ich aber auch auf die sehr schöne und präzise Besprechung in der Süddeutschen Zeitung von Maike Albath verweisen - dieser Artikel stellt richtig dar, welche Wucht die Aufzeichnungen Highsmiths haben.


Sie müssen verzeihen, falls ich diese 1200 Seiten nicht in wenige Worte fassen kann. Dieses Buch beinhaltet so Vieles, was lange Zeit verborgen blieb, was die Nachwelt schlicht nicht erfahren konnte, weil die Tage- und Notizbücher entweder nicht übersetzt oder gar nicht gefunden wurden. Doch erst nach dem Lesen dieses Werkes wird dem aufmerksamen Leser oder der aufmerksamen Leserin von Highsmiths Werken klar sein, wie die einzelnen Elemente der Romane wie Puzzleteile zusammengehören, und warum die Autorin offensichtlich Figuren so agieren ließ, wie sie sie hat agieren lassen. Besonders klar wurde mir die Verbindung zu "Salz und sein Preis". Es war im Allgemeinen klar, dass viel von Patricia im Roman über Carol und Theres steckt, aber letztendlich steckt alles von Highsmith im Roman. Nicht nur die Liebschaften und Neigungen, sondern schlichtweg auch beinahe der komplette Verlauf der Geschichte im Roman.


Aufschlussreich waren die Tage- und Notizbücher allemal. Zudem enthielt das über tausend Seiten starke Werk auch Etliches an Zusatzmaterial, wie ein Personen- und Werkeregister, eine Chronik von Highsmiths Schaffen oder auch Erläuterungen zu interpretationsarmen Einträgen. Insgesamt darf ich Anna von Planta und Diogenes für die Arbeit sehr loben. Auch wenn Patricia Highsmith schon lange nicht mehr Teil unserer Gegenwart sein darf, so wird sie doch immer unter uns weilen - nicht nur durch ihre Romane, sondern nun endlich auch durch ihre veröffentlichten Tage- und Notizbücher. Bravo!


5 von 5 Sterne


Titel: Tage- und Notizbücher

Autorin: Patricia Highsmith

Herausgegeben von: Anna von Planta

Verlag: Diogenes

Format: Hardcover

Seiten: 1376

ISBN: 978-3-257-07147-4

Preis: 32,00 €

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