• Daniel Allertseder

Shelter


Man möchte glauben können, man möchte glauben wollen, dass all das, was in Poznanskis neuem Thriller tatsächliche Fiktion ist und Fiktion bleibt. Aber leider ist Poznanskis neuer Jugendthriller am Puls der Zeit. Die preisgekrönte österreichische Autorin hat ein aktuelles, gesellschaftliches Problem zum Thema ihres neuen Buches gemacht. Und das mit herausragendem Plot, mit authentischen und haarsträubenden Wahrheiten, und trotzdem mit einer Moral, die man gerne all den Verschwörungstheoretikern unter die Nase halten wollen würde. "Shelter" ist ein hochspannender Thriller, der es zu lesen gilt!


Es beginnt mit einem simplen Scherz: Damit Liv ein passables Thema für ihre Psychologie-Arbeit hat, hat sie zusammen mit Benny, Till, Darya und Nando eine Verschwörungstheorie in die Welt gesetzt, um die soziologischen Auswirkungen auf die Gesellschaft untersuchen und darüber berichten zu können. Klimawandel, Aliens und die Übernahme durch menschliche Wirte spielen eine Rolle. Sie beginnen, die Theorie ins Netz zu stellen, und ein Stein gerät ins Rollen, der unaufhaltsam alles mit sich reißt, was der Clique lieb und teuer ist. Es wird brandgefährlich, lebensbedrohlich, und wahrlich irrsinnig.


Was wir zurzeit in der Welt als Phänomen erleben - und zwar dass eine (im Vergleich noch Gott sei Dank geringe) Zahl von Menschen einer Theorie angehören, die an Unverständnis und Unlogik nicht zu übertreffen ist. Täglich werden wir damit konfrontiert, und es ist interessant zu sehen, dass selbst Freundschaften und gar Familien darunter leiden. Ursula Poznanski nimmt dieses Problem als Konflikt für "Shelter". Und all das, was den "Nicht Eingeweihten" in der Realität passiert, passiert der Clique im Buch. Wie nicht anders zu erwarten spitzt sich der Konflikt nach und nach, immer mehr, zu. Mitglieder der Clique tauchen unter, verschwinden, brechen den Kontakt ab, und zwischendrin wird deren Freundschaft bis in die Fundamente erschüttert. Unser Held in "Shelter" ist Benny, der die Welle stoppen möchte, der nach und nach herausfindet, wer die Clique bedroht, und er ist es, der die Freunde vor dem Schlimmsten bewahrt, der ein tödliches Unterfangen in Kauf nimmt, um das Leben seiner Liebsten zu retten. Ursula Poznanski nimmt eine bestimmte Gruppe Menschen mit in den Konflikt hinein: Die Esoteriker. Wahnsinnig gut gemacht und spannend fand ich die Tatsache, dass besonders Esoteriker für Verschwörungstheorien anfällig sind.


Der Stil Poznanskis ist unvergleichbar großartig. "Shelter" trotzt vor Hochspannung und abenteuerlicher Erzählkunst, gepaart mit einer kleinen Prise Humor und einer großen Portion Aktualität. Dieses Mal ist keine Künstliche Intelligenz oder eine alternative Realität das Thema, sondern die harte Realität, die seit der Pandemie noch wahnwitziger wurde, durch die vielen Theorien, die herumkursieren, und es leider viel zu viele Menschen gibt, die daran glauben. Poznanski schnappt sich diese Theorien und diskreditiert sie - und das zurecht! Denn auch diese sind eine große Gefahr. Wie im Roman!


5 von 5 Sterne


Titel: Shelter

Autorin: Ursula Poznanski

Verlag: Loewe

Format: Hardcover

Seiten: 432

ISBN: 978-3-7432-0051-7

Preis: 19,95 €

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