• Daniel Allertseder

Playlist


Der jährliche Freudentag der Spannungs-Freunde tritt ein, wenn Sebastian Fitzek einen neuen Psychothriller veröffentlicht. Dieses Mal nennt er sich "Playlist" und thematisiert eine dramatische Entführung, die in großer Verbindung zur Musik steht. Erstmals verbindet ein erfolgreicher Autor zwei kreative Künste miteinander: Literatur und Musik. Denn Feline wird schon seit einer geraumen Zeit vermisst; niemand ahnt, wo das Mädchen steckt, bis eine Playlist auftaucht, die zu ihrem Versteck und zu ihrem Entführer führen soll. Wir begegnen Alexander Zorbach und Alina Gregoriev aus der Augen-Dilogie wieder und erleben einen Roman aus Fitzeks Feder, der weniger gewalttätig wie der Vorgänger "Der Heimweg", dafür umso emotionaler und empathischer ist.


Gehadert habe ich nach Fitzeks Thriller aus dem Jahr 2020, "Der Heimweg", der an Brutalität und Gewalt nicht zu überbieten war. Selten habe ich so die Zähne zusammenbeißen müssen, als ich einen Fitzek gelesen habe; und ich habe zum Gott der Literatur (gibt es den?) gebetet, so möge doch "Die Playlist" weniger erbarmungslos und grausam sein. Und manchmal hilft beten sogar, denn der neue Thriller von Sebastian Fitzek war genau das, was ich erhofft hatte: Ein Spannungsroman aus seiner Feder, der seinen Früheren ähnelt. Dieses Mal liegt der Fokus wieder mehr auf dem psychologischen Aspekt als auf dem Gewalttätigen. Zorbach und Gregoriev müssen eine spannende (drücken wir es lakonisch aus) Schnitzeljagd bestreiten, bestehend aus 15 Songs einer von der entführten Figur zusammengestellten Playlist, die angeblich zum Ziel führen soll. Hierbei werden ihnen selbstverständlich Steine in den Weg gelegt, in die Irre geführt und zwischendurch auch gut und gerne mal von skrupellosen Antagonisten aufgehalten. Positiv finde ich, dass es nur zwei harmlose Stellen im Buch gibt, die auch nur ansatzweise ein kleines bisschen blutig oder gewalttätig sind, ansonsten ist der Roman völlig frei von grausamen Schlachthaus-Szenen, und diese Entwicklung empfinde ich als sehr gut.


Hochspannend war "Playlist" allemal! Wie schon erwähnt liegt der Fokus wieder auf den psychologischen Spielchen, wie sie Fitzek in seinen früheren Romanen gerne thematisiert hat. Er bedient sich wieder einem Katz- und Mausspiel, welches sich im Zuge seiner Romane etabliert hat. Auch gibt es dieses Mal lediglich wieder zwei übersichtliche Handlungsstränge und kleine Exkurse zu Figuren, die etwas mit der Entführung zu tun haben. Insgesamt ist "Playlist" wieder schlichter und abgespeckter aufgetreten, dafür aber umso emotionaler und authentischer. Die Figuren wachsen in diesem Roman mehr aus sich heraus, sie zeigen Gefühlsregungen und zwischenmenschliche Beziehungen zueinander, wie man sie in "Der Heimweg" beispielsweise kläglich vermisst hat. Trotz regelmäßigen Cliffhangern aber ist "Playlist" ruhig und ausdauernd; der Thriller prescht nicht mit einer Wucht eines Güterzugs von einem Schlagabtausch zum anderen, sondern geht bedächtig von Szene zu Szene, hangelt sich von dramatischen Situationen zur nächsten, bleibt aber auf angenehmer Ebene rasant und spannungsgeladen.


Etwas störend empfand ich die ständigen Wiederholungen der in der Playlist enthaltenen Künstler. Man hat schon beim ersten Mal verstanden, dass der Track "Offene Augen" von Tim Bendzko und der Hit "Erlkönig" von Kool Savas ist. Hier erwähnt Fitzek die Künstler sehr oft, was schon etwas von Product Placement hatte. Um aber noch kurz zu den Tracks etwas zu sagen (auch wenn dies nichts mit der Bewertung des Buchs zu tun hat): Selbstverständlich kann nicht jedes Lied gefallen. Songs wie "Erklkönig", "Para Paradise" oder "Under" gefallen mir leider gar nicht. Generell finde ich viele Songs als eintönig und fade, selbst Beth Dittos "I Need You" ist wie am Reißbrett entworfen und mit hunderten Titeln austauschbar. Lediglich Silbermonds "Milliarden" hat es mir angetan - eine großartige Produktion mit wahnsinnig gutem Text, spektakulärem orchestralem Arrangement und einer hinreißenden Dramaturgie!


(Und das Nachwort des Autors ist ja wie immer der Hammer!)


"Playlist" von Sebastian Fitzek ist ein typischer Fitzek, aber dennoch anders. Er ist ruhig, bedient sich dieses Mal emotionaler und geistiger Aspekte und beinhaltet definitiv weniger Gewaltakte als beim Vorgänger. Dieser Thriller ist sehr empfehlenswert, vor allem auch wegen dieser tollen musikalischen Komponente!


5 von 5 Sterne


Titel: Playlist

Autor: Sebastian Fitzek

Verlag: Droemer Knaur

Format: Hardcover

Seiten: 396

ISBN: 978-3-426-28156-7

Preis: 22,99 €

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