• Daniel Allertseder

Nachtleben



Anna und Annos Glück zerbricht, sie waren füreinander bestimmt, doch ihre Verbindung wird gekappt - Traum und Wirklichkeit vereinen sich, ergeben einen Raum, universelle Fragen entstehen, was hat Religion und Wissenschaft damit zu tun? Wie wird die Liebesgeschichte weitergehen? Der deutsche Schauspieler Sabin Tambrea hat nun einen Roman geschrieben: "Nachtleben".


Das Cover fasziniert durch eine angenehme, violette Farbe, bestückt mit vielversprechenden, interstellaren kleinen Punkten, die an Sterne erinnern. Die Katze, die anmutig über dem Titel marschiert scheint Wirklichkeit zu sein. Mal ist sie da, mal auch nicht. Ist sie doch nur ein Traum? "Nachtleben" verspricht eine Gedankenreise zu sein - eine Reise zu existenziellen Fragen des Lebens; besonders der Liebe. Anna und Anno versuchen, ihr Leben und ihre Hingabe füreinander in die richtige Richtung zu lenken. Die Basis ist geschaffen, das Sujet außergewöhnlich.


Als größtes Manko aber sehe ich Sabin Tambreas Erzählstil. Sehr lange habe ich gebraucht, um der Geschichte folgen zu können, um verstehen zu können, was denn aktuell passiert. Die Sprache wirkt leider viele Male gestelzt, etwas aufgesetzt, affektiert. Ich würde gerne sagen wollen, es ist der typische erste Versuch, ein Buch zu schreiben: Die Sprache ist noch nicht ausgereift, die Sätze oftmals holprig. Man stolpert über Satzkonstellationen oder Aussagen, die nicht ganz stimmig wirken.


Auf der Bühne wurde es nun still. Die Konzertmeisterin stand auf, um vom Oboenton die Stimmung abzunehmen, gab diese weiter ans Orchester, es brauste mächtig auf, alle passten sich gemeinsam ihre Stimmung an, die Tonwand neigte sich der Konsonanz entgegen, bis der Klang plötzlich verstummte.

Allein in diesem kleinen Abschnitt hatte ich viele Fragen. Aus der Musikpraxis weiß ich, dass der Ton auf- und nicht abgenommen wird; ich konnte mit dem Begriff "Tonwand" nichts anfangen. Der Begriff "Konsonanz" ist auch nicht ganz richtig. In einem klassischen Orchester der westlichen Welt stimmen sich alle vor einem Stück oder einer Symphonie auf das a¹ ein - ausnahmslos, ansonsten funktionieren die Harmonien nicht und das Stück wird schief. Würde eine Konsonanz gespielt werden, wären Intervalle gefragt, die aber in Relation zum a¹ nicht funktionieren würden, denn Intervalle wären beispielsweise eine Terz, und dann würde ein Teil des Orchesters ein a¹ spielen, und ein anderer Teil das c². Somit ergibt der letzte Satz aus musikwissenschaftlicher Sicht keinen Sinn.


Solche Abschnitte gab es mehrere, wo ich mir nicht ganz sicher war, ob dies so funktioniert, wie Sabin Tambrea es geschildert hat. Ein weiteres Beispiel:


Die Unumkehrbarkeit des Umbruchs verzehrte ihre letzte Kraft aus allen Sehnen, Venen zeichneten sich deutlich ab auf Hals und Armen, deren Puls der Takt der Tanzenden mit keinem Herzschlag traf.

Dieser Satz weißt nicht nur extreme hypotaktische Merkmale auf, er wirkt auch überkandidelt und zu vollgepackt mit netten Synonymen, zudem hätte ich folgenden Satz so formuliert: "[...] Venen zeichneten sich deutlich auf Hals und Armen ab..." - wirkt entspannter, flüssiger und intensiver.


Sabin Tambrea gibt sich wahrlich Mühe, seine Geschichte in poetischer Hinsicht gefühlvoll und modern zu erzählen, jedoch gelingt ihm dies nicht immer. Zwischendrin findet man Sätze, die einem gut gefallen, wie


Sein Kopf war um die Augen herum großzügig bandagiert, nicht der Hauch eines Lichtstrahls drang durch den Mull, als es neben ihm blubberte. Der Wasserspender mit den kegelförmigen Papierbechern rülpste von Zeit zu Zeit.

Ein heiterer Satz, der zum Schmunzeln bringt, mit soliden und einfachen Satzgefügen und einer humorvollen Botschaft: Wasserspender rülpsen, nun wissen wir es.


Ich bin von "Nachtleben" mit gemischten Gefühlen zurückgelassen worden. Die Geschichte war oft auf Grund des jungen, unerfahrenen Schreibstils unverständlich gewesen; dadurch wirkten die Figuren - Anna und Anno - blasiert und eintönig. Der Plot erschloss sich mir nur schwer, denn wenn die Sprache nicht glatt und zumindest solide funktioniert, kann die Geschichte noch so gut sein.


Ich wünsche Sabin Tambrea für sein nächstes Buch alles Gute - vielleicht verbesserte sich seine Schreibe, so waren schließlich alle Autoren bei ihren ersten Werken noch in den Kinderschuhen - sei es ein Schauspieler, ein Journalist oder eine arbeitslose Frau, die jeden Tag zum Schreiben in ein Café geht, da es da warm und gemütlich ist.


2 von 5 Sterne


Titel: Nachtleben

Autor: Sabin Tambrea

Verlag: Atlantik

Format: Hardcover

Seiten: 174

ISBN: 9783455012354

Preis: 20,00 €