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»Kranke Pflege« von Alexander Jorde

Alexander Jorde ist ein bekanntes Gesicht aus der ARD Wahlarena, in der er sich im Jahr 2017 gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte und kritisch die Missstände der Krankenpflege beleuchtete. Andauerndes Echo waren demnach zahlreiche Interviews, Fernsehauftritte und Berichte, und nun hat der junge Krankenpflege-Azubi ein Buch darüber geschrieben. »Kranke Pflege – Gemeinsam aus dem Notstand«. Doch dieses Buch beleuchtet nicht seine Person, denn darum ging es ihm nie, sondern er kritisiert die schwerwiegenden und fatalen Missstände im

deutschen Pflege- und Medizinsystem. Alexander Jorde nämlich spricht klipp und klar jene Themen an, die totgeschwiegen werden, und die von der Politik – so scheint es – keinesfalls so berücksichtig werden wie aktuelle Krisen, die meist keine Krisen sind. Im Europaparlament entscheidet man also lieber über einen Uploud-Filter fürs Internet, wo nebenbei essenziellere Entscheidungen warten, die Auswirkungen auf die Zukunft haben werden – mehr Negative als Positive. Wir bewundern den Mut von Jorde, seinem Entscheidungsgeist, seiner Stärke Notstände zu thematisieren, die man in jeder Ecke Deutschlands unweigerlich erkennt und mitansieht. Aber den Kapitalisten ist es egal, denn die Hauptsache ist, das Bankkonto wird monatlich mehr, wie es aber den Pflegekräften ergeht, rückt in den Schatten, wird weniger wichtig, wird ignoriert, denn Stellvertretend für die deutsche Medizinpolitik sind Ärzte, die das dreifache verdienen als die Pfleger, und wenn die Ärzte schön in die Kamera lächeln, dann ist das System auch in Ordnung – so denkt man zumindest.


In seinem Sachbuch »Kranke Pflege« erzählt Jorde in der Einleitung zuerst auf sehr interessante Art und Weise von seinem Weg zur Wahlarena, wie er den Platz im Studio erhalten hat und wie er letztendlich mit Frau Merkel ins Gespräch kam. Nach diesen wenigen Minuten der Konversation mit der wohl mächtigsten Frau der Welt ging die große Welle los, und Jorde musste sich zuerst zurechtfinden, damit klarkommen, wie er diese ganzen Medien- und Presseanfragen, die Termine und Unterhaltungen unter einen Hut bekommt. Letztendlich aber hat er nicht nur ein Thema angesprochen, welches ihm und Millionen anderer am Herzen liegt, sondern auch eine Bewegung, ein stetiges Gesprächs- und Diskussionsthema ins Rollen gebracht, welches, hoffentlich, auch die Politik zum Umdenken angeregt hat.


Professionell und bewegend beschreibt Jorde in seinem Buch die Umstände in Krankenhäusern, den täglichen Ablauf in der Klinik, in der er arbeitet und bringt uns Lesern die Missstände nahe, die ohne Konsequenzen herrschen: Pfleger, die sich um eine große Zahl Patienten kümmern müssen, und das vollkommen alleine, das Setzen von Prioritäten, die psychische Belastung, die besonders interessante Frage, ob jeder Mensch Pflege kann, die Jorde ausdrücklich mit »Nein« beantwortet, denn die Pflege braucht mehr als nur »Herzblut«, sondern auch kompetentes, geballtes Fachwissen und letztendlich auch die psychische Belastung, denn die Eindrücke, Erfahrungen und Geschichten, die Jorde erlebt hat, gehen schon dem Leser beim letztendlichen Lesen des Geschriebenen nahe, und diese Fülle an Aufgaben, diese Komplexität und vor allem auch das Verständnis besitzt keinesfalls jeder. Und somit herrscht auch ein andauernder Mangel, ein Mangel an Pflegekräften und ein Mangel am Tun gegen diesen rapiden Fall der Quote.

Jorde sucht im Buch auch nach Schuldigen, nach denen, die dies ignorieren und wegwerfen. Die Pflege ist eine essenzielle, gar fundamentale Gesellschaftsstruktur, die, wenn sie ignoriert wird, irgendwann wie ein verwahrlostes altes Gebäude einstürzt, und die Medizin in Schutt und Asche liegt. Denn gäbe es irgendwann nur noch vereinzelt Pflegekräfte, so ist die Gesundheitspolitik nicht mehr tragbar, und wir Menschen stehen ohne medizinische Versorgung da, da, wie Jorde bereits erwähnt, die Ausbildung keine mit dem Beruf einer Kassiererin oder dem eines Einzelhandelsverkäufers gleichzusetzen ist. Der junge Autor kritisiert aber nicht nur die wohl scheinbarste Quelle dieses Fehlverhaltens – die Politik – sondern kritisiert jeden Akteur dieses wagen Spiels, denn jeder trägt einen Teil dazu bei, und nur wenn die einzelnen Parteien auch Hand in Hand zusammenarbeiten, kann das Pflegesystem aus dem Notstand gerettet werden. Besonders zu beachten sind in Jordes Lektüre die vielen informierenden Details, die der Außenstehende niemals erfahren würde, würde man nicht ein Buch wie jenes von Alexander Jorde lesen. Er schlägt Maßnahmen vor, führt einen hypothetischen Weg aus der Krise und greift Themen aus der dunklen Grube, die in der Gesellschaft viel zu selten diskutiert werden. Ein informativer und professioneller Bericht über die Notstände in der Pflege – von einem jungen, engagierten Mann, der den Mut hat, die Pflege zu revolutionieren.



(c) Tropen Verlag | www.tropen.de | 2019

Buchinformationen


Titel: Kranke Pflege

Autor: Alexander Jorde

Verlag: Tropen

Seitenzahl: 191

Format: Paperback

ISBN: 978-3-608-50384-5

Preis: 17.00 €


Dieser Beitrag enthält Werbung für "Kranke Pflege" von Alexander Jorde aus dem Verlag Tropen


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