• Daniel Allertseder

Die Leuchtturmwärter


Ein Leuchtturm, Maiden Rock, inmitten der rauen See. Wellen schlagen um sich, die Klippen zischen bei jeder schwappenden Strömung. Und drei Leuchtturmwärter, die spurlos verschwunden sind. Drei Frauen, die zurückgelassen wurden. Ein Schriftsteller, der darüber schreiben möchte, und dadurch alles wieder aufwühlt, obwohl viel Zeit seitdem vergangen ist. Emma Stonex erzählt die Geschichte dreier verschwundener Männer und die Kluft, die sie hinterlassen haben. Doch was ist damals wirklich passiert? Was ist mit den drei Männern - Bill, Arthur und Vincent - wirklich passiert?


"Die Leuchtturmwärter" ist ein dramatischer Roman, eine Erzählung, die so viel Emotionen und Melancholie in sich trägt. Diese Melancholie vereinsamt in den drei Frauen, die zurückgelassen wurden. Helen, Jenny und Michelle, die selbst nach zwanzig Jahren immer noch hoffen, ihre Männer wären irgendwo da draußen, denn logische Erklärungen, was mit ihnen passiert ist, gibt es nicht. Und wenn es keine logische, nachvollziehbare Lösung geben konnte, dann mussten sie doch noch am Leben sein, oder? Das alles deckt der Schriftsteller Dan Sharp nach und nach auf, auch ohne von ihm zu lesen. Er ist da, aber nicht präsent, keine aktive Figur. Die anderen Figuren sprechen für sich allein, decken quasi selbstständig auf, was geschehen ist. Daniel Sharp ist eine Metaebene, die aufgemacht wird, als er zu recherchieren beginnt. Als ersten Handlungsstrang lesen wir von der Gegenwart: Die drei Frauen und der Schriftsteller, die von ihrem Kummer erzählen, die von ihren Männern erzählen. Und Sharp, der zuhört, denn die Frauen haben nur jemanden zum Zuhören gebraucht, und dieses Ohr bietet ihnen Sharp. Der zweite Handlungsstrang findet in der Vergangenheit statt. Wir lesen von Vince, Bill und Arthur. Und wir erfahren bis zum Schluss, was mit ihnen wirklich geschehen ist. Die drei Männer sind doch nicht so, wie sie die drei Frauen in Erinnerungen hatten.


Der Roman startete stark - man konnte spüren, wie sich die Frauen fühlten, bedingt durch die bewegende Art und Weise, wie Emma Stonex schreibt - poetisch, aber nicht zu poetisch, natürlich, authentisch. Sie wechselt sich in ihrer Erzählweise ab. Mal lesen wir klassische Dialoge, mal nur einen einseitigen Dialog, wenn die drei Frauen im Fokus sind, da der Schriftsteller als Dialogpartner nicht anwesend ist. Das garantiert Abwechslung und eine poetische Balance, was zu keiner Langeweile führte. Jedoch aber waren keine Spannungshöhepunkte anzutreffen, die Geschichte balancierte auf ihrem roten Faden starr geradeaus, zu einem Ende, welches ich mir etwas anders vorgestellt habe. Es waren doch Zufälle, die zum Eintritt ins Jenseits führten, bzw. zeigte uns Emma Stonex dass, so schön das Meer auch sein kann, so unberechenbar und wild es sich porträtieren lässt es doch seine ein oder anderen Macken hat: Es kann enorme Einsamkeit hervorrufen, wenn man sich seinem Ruf zu sehr hingibt - und kann auch Verrücktheit auslösen, vor allem, wenn die Zivilisation ganz weit weg ist.


"Die Leuchtturmwärter" von Emma Stonex ist vom Handwerk und von der literarischen Qualität solide und unterhaltsam, die Geschichte beginnt ab der Mitte etwas auf der Stelle zu treten, das Ende, der Ausgang, der Grund, warum sie verschwunden sind, empfand ich als Verkettung tragischer Ereignisse, deren Ursprung aber bei den drei Männern selbst liegen. Sie haben alles riskiert - und alles verloren. Da hat es sich die Autorin etwas zu einfach gemacht. Das Meer hat sie alle geholt - aber nicht, weil es das Meer so wollte.


3 von 5 Sterne


Titel: Die Leuchtturmwärter

Autor: Emma Stonex

Verlag: S. Fischer

Format: Hardcover

Seiten: 427

ISBN: 978-3-10-397037-1

Preis: 22,00 €

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