• Daniel Allertseder

Der Termin


kanon-verlag.de | 2021

Es ist ein einziger Monolog, den unsere Hauptfigur in Katharina Volckmers Roman "Der Termin" führt. Ein Monolog über die Klischees der Deutschen Nation, die Mentalität der Deutschen in Relation zu den Briten. Was die junge Frau, die bei einer Untersuchung ihres Arztes Dr. Seligman sitzt, sagt, ist all das, was sie stört. An ihrem Heimatland, an der Gesellschaft, an der Medizin, letztendlich auch an sich selbst. Man merkt, dass die Hauptfigur selbst mit Komplexen kämpft und diese zu ergründen versucht: Ihre nächtlichen chauvinistischen, erotischen Gedanken mit einem ehemaligen Diktator, das Aussprechen ihrer sexuellen Gedanken in Angesicht ihres Arztes. Während ihres Termins entblößt sie sich emotional voll und ganz, und das ohne eine bekannte Hemmschwelle; weil sie eine freie Frau ist, weil sie tun und lassen kann, was sie will. Und das nutzt sie - ohne Wenn und Aber.


Katharina Volckmer zeichnet ein ungewöhnliches, aber außergewöhnliches Bild einer jungen Frau, die ihre Ängste, Sorgen und Wünsche ungefiltert vorträgt, ohne dass eine zweite oder gar dritte Partei, quasi ein Dialogpartner dazwischengrätscht. Dr. Seligman hört nur zu. Könnte man den Arzt als Gesellschaft verstehen, die zuhört? Verkörpert der Arzt schlicht alles, was die Patientin verabscheut, aber gleichzeitig antörnt? Was auch immer Dr. Seligman darstellt, und egal mit welcher Diagnose die junge Frau den Termin verlässt - fest steht, dass die Autorin einen starken Monolog verfasst hat, der im Inneren nachhallt. Es ist dieses Echo, welches bleibt, die junge Stimme der Patientin - ein ungewöhnlicher Termin, der aber empfehlenswert ist.


4 von 5 Sterne


Titel: Der Termin

Autorin: Katharina Volckmer

Verlag: Kanon

Format: Hardcover

Seiten: 127

ISBN: 978-3-98568-000-9

Preis: 20,00 €

Besondere Bemerkungen: Dieser Beitrag enthält Werbung