• Daniel Allertseder

Der Friedhof der vergessenen Bücher


Carlos Ruiz Zafón ist in meinen Augen der großartigste Erzähler dieser internationalen Literaturepoche - seine Romane rund um den Friedhof der vergessenen Bücher haben mich in andere Sphären katapultiert; der erste Teil des Zyklus, "Der Schatten des Windes", ist bis heute mein liebstes Buch, da ich emotional sowie literarisch unendlich viel damit verbinde. Doch leider, wie es das Schicksal wollte, musste der großartige, spanische Autor im Jahr 2020 von uns gehen, und als letztes, großes Geschenk hat uns Carlos einen makellosen, großartigen, hervorragenden Erzählband zurückgelassen: "Der Friedhof der vergessenen Bücher" - sein Vermächtnis an uns und an sein literarisches Universum.


In "Der Friedhof der vergessenen Bücher" finden wir zahlreiche liebevolle, mysteriöse und auch manchmal unsympathische Figuren wieder, die bereits in den vier Romanen eine Rolle gespielt haben. Carlos Ruiz Zafón erzählt in diesem Erzählband in den unterschiedlichsten Geschichten - mal lesen wir Elemente des Liebesromans, des Thrillers, auch eine Horrorstory könnte man meinen, des Kriminalromans oder der zeitgenössischen Erzählung - Hintergrundstorys und Motive, Erinnerungen und Lebenswege besagter Figuren. Auch spielen Bauwerke und gewisse Orte, wie der Friedhof der vergessenen Bücher, eine wichtige Rolle, und wir erfahren, wie eigentlich dieser mystische Friedhof entstanden ist. Es ist ein Wiedersehen mit alten Bekannten und Freunden, man komplettiert das jeweilige Bild von ihnen und erfährt auf fiktive Art und Weise Neues von real existierten Persönlichkeiten, wie zum Beispiel von Don Miguel de Cervantes Saavedra, dem Verfasser von "Don Quijote", dem wohl populärsten und wichtigsten Roman der spanischen Geschichte.


Über Zafóns Schreibstil müssen wir gar nicht groß reden, da wir mit Sicherheit alle wissen, dass dieser großartige Schriftsteller wie ein Meister schreiben konnte und mit den Worten gespielt hat, als würde er sie zum Frühstück vernaschen. Carlos Ruiz Zafón schreibt elegant, märchenhaft, virtuos und fabulierend. Wenn die Leserin/der Leser seine Texte liest, möchte er nichts anderes mehr lesen. Und ebenjenen Stil, den wir alle so lieben, finden wir auch im Erzählband wieder.


Die Ausstattung ist dem Erzählband aller Ehren: Ein qualitativ hochwertiges Hardcover, mit robusten Seiten und einem äußerst angenehmen Schriftbild. Zweierlei Cover zieren das Buch: Einmal ohne den Schutzumschlag mit goldener Schrift, die im Lichte schimmert, eine sepia-farbene Calle in Barcelona im Hintergrund. Legt man den Schutzumschlag, der etwa dreiviertel des Buches einhüllt, so haben wir auf weinrotem Farbschema den Namen des Autors in noch größerer, golden schimmernder Schrift, und den Titel ebenfalls vergrößert in einer weißen Serifenschrift. Etliches Begleit- und Hintergrundmaterial, wie ein Nachwort des Vertrauten des Autors, Émile de Rosiers Castellaine, ein Interview mit Carlos oder eine kurze Erklärung zum Zyklus, den er erschaffen hat. "Der Friedhof der vergessenen Bücher" ist somit ein (leider schon viel zu früher) Abschluss des Universums, welches selbstverständlich in seinen Büchern auf alle Zeit weiterleben wird. Der Erzählband vervollständigt meisterhaft Geschichten und Hintergründe handelnder Figuren, mysteriöser Orte und spannender Umstände, die wir in den vier Roman finden. Für LeserInnen und solche, die es werden wollen ein Geschenk, welches überzeugen wird. Mich jedenfalls hat es überzeugt, und doch mit der einen oder anderen Träne zurückgelassen.

5 von 5 Sterne


Titel: Der Friedhof der vergessenen Bücher

Autor: Carlos Ruiz Zafón

Verlag: S. Fischer

Format: Hardcover

Seiten: 224

ISBN: 978-3-10-397093-7

Preis: 20,00 €

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