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Deadline


Bov Bjerg - hochgeschätzter Schriftsteller, Buchpreis-Shortlist-Nominierter des Jahres 2020 und Autor des Buches, um welches sich ein Mythos rankt: "Deadline"; sein Debüt, welches noch vor der ersten Auflage vom Markt verschwunden und seitdem nicht mehr neu verlegt wurde - bis jetzt. Der neue Kanon-Verlag vom ehemaligen Aufbau-Verleger Gunnar Cynybulk hat "Deadline" mit ins erste Programm genommen - #diemitdemaffen haben der Geschichte einen neuen Look gegeben, eine hochwertige Ausstattung mit sorgfältig ausgewähltem Satz und einem sehr edlen Papier. Und Bov Bjerg hat die Geschichte für die Neuveröffentlichung nochmals etwas überarbeitet. Was bleibt also? Wie sieht die Geschichte aus? Ein wahrlich kurzer Kommentar.


Paula ist Übersetzerin für Gebrauchsanweisungen und fliegt zurück in die Heimat, um das Grab ihres Vaters aufzulösen. Geplagt von Erinnerungen an Vergangenem und dem Job im Nacken düst sie in die schwäbische Heimat, um sich um alles Nötige zu kümmern. Die sprachliche Gestaltung des Romans ist den schnellen Denk- und Arbeitsprozessen von Computern und hochtechnologischen Maschinen angepasst: Schnell, emotionslos, rasant und schmucklos. Es ist keine Narrative, die man im klassische Sinne versteht, sondern eine Innovative, die damals, im Jahr 2008 (bei der vermeintlichen Erstveröffentlichung des Romans) bestimmt als revolutionär galt. Aus heutiger Sicht ist das Temporeiche mit Sicherheit eine willkommene Abwechslung zahlreicher, hochpoetischer Romane. Denn genau das ist "Deadline" nicht: Poetisch und philosophisch. Der Roman ist anders, er ist erweckend und beinahe schon hyperventilierend, er ist hypnotisierend und Atem raubend. Es sind Sätze, die lediglich aus einem Subjekt oder Objekt bestehen. Es gibt nur wenige hypotaktische Satzgebilde, die über drei oder vier Wörter hinausgehen, und dadurch entsteht ein Sog, den Bov Bjerg bewusst inszeniert, um uns Lesern klarzumachen: Paula funktioniert wie ein Prozessor, das Leben funktioniert wie eine andauernde Maschine - wir müssen funktionieren, wir müssen dampfen und schwitzen, um uns über Wasser halten zu können. Doch jedes Individuum besitzt eine Deadline, und die Uhr tickt.


Der Steinmetz ist ein zentraler Beruf im Roman von Bov Bjerg, und der aufmerksame Leser merkt, dass sich der Autor in die Kunst hat einführen lassen, um authentisch darüber berichten zu können. So steht der traditionelle Beruf des Steinmetz im ungemütlichen Kontrast zur schnelllebigen Arbeit der Moderne - zum Leben Paulas, in der sie jede Sekunde funktionieren muss, wohingegen die Arbeit des Steinmetz eine vorsichtige und aufmerksame ist, wo Zeit keine Rolle spielt, da diejenigen, die den Grabstein erhalten, alle Zeit der Welt haben. Dieser Gegensatz war hochinteressant zur verfolgen, vor allem, weil wir uns von den modernen Maschinen unserer Zeit kaum noch unterscheiden.


"Deadline" von Bov Bjerg ist in der Tat ein unkonventioneller Roman, der trotz der Eintönigkeit so viele Facetten birgt und die es Wert sind, zu erfahren.


5 von 5 Sterne


Titel: Deadline

Autor: Bov Bjerg

Verlag: Kanon

Format: Hardcover

Seiten: 175

ISBN: 978-3-98568-002-3

Preis: 22,00 €

Besondere Bemerkungen: Dieser Beitrag enthält Werbung