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Booktalk mit Larena

Aktualisiert: 2. Aug 2018



Dieser Beitrag enthält Spoiler!


Was zunächst für einen Fall von Kindesentführung gehalten wird, entwickelt sich kurz darauf zu einem Albtraum. Das kleine Mädchen wird tot vor einer Notaufnahme liegend gefunden, ihre Haare abrasiert und auf der Stirn das Wort unerwünscht. Als kurz darauf das nächste Kind verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.


Dieses Buch spaltet wirklich meine Meinung. Wo fange ich am besten an? Zunächst mal bei den Verbrechen selbst. Die Kinder werden also entführt, natürlich zunächst ohne jede Spur. Wie konnte die kleine Lilian einfach aus dem Zug entführt werden? Wie kommt es, dass Niemand gesehen haben will wie das kleine Mädchen schlafend aus dem Zug getragen wurde? Das gibt dem Leser natürlich erst mal Stoff zum Grübeln. Parallel zu den Ermittlungen liest man aus der Sicht der Entführer. Man weiß wo das Mädchen hingebracht wird, wie der Modus Operandi ungefähr abläuft und erfährt auch ein Bisschen von den Beweggrünen, aber im Prinzip weiß man auch nicht sehr viel mehr als später die Ermittler. Zumindest für 5 Sekunden.


Das fängt damit an, dass man sich bereits nach dem Fund der ersten Leiche darüber aufregt, dass die Ermittler das Offensichtliche nicht bedenken. Wollt ihr was Interessantes wissen? Das hält an bis kurz vor Ende des Buches. Kein Scherz. Es geht dabei um den Schriftzug, den das Mädchen auf der Stirn trägt „Unerwünscht“. Mit etwas Hilfe durch die erste Ermittlungssitzung erfährt man, dass der Täter damit wohl die Mütter bestrafen will. Direkt danach kommt der Schlüsselsatz ins Spiel „Wenn sie nicht alle Kinder lieben, dann sollten sie gar keines haben.“ und die Ermittler fragen sich Was kann es nur sein?, wofür steht das Wort? Mir kam sofort in den Sinn, dass die Mütter vielleicht eine Abtreibung hatten. Erstens ist das etwas, was biologisch gesehen eben nur Mütter körperlich erfahren können und zweitens kommt gleich in den ersten Nachforschungen raus, dass die Mutter des ersten Opfers vor einigen Jahren an dem Ort an dem ihre Tochter gefunden wurde eine geheimes Vorhaben in die Tat umsetzte, allerdings in der Gegenwart ihrer christlichen Eltern nicht sagen wollte was es war.


Tja meine Lieben, was soll ich dazu sagen? Es erscheint mir einfach unrealistisch, dass dieser Gedanke offenbar so abwegig scheint, dass die Ermittler nicht mal eine Sekunde daran denken. Frei nach dem Motto „Unerwünscht? Ein geheimes Vorhaben in der Jugend von dem die Mutter nichts erzählen will? Wenn sie nicht alle Kinder liebt soll sie gar keine haben? Da geht es wohl um Zähne putzende Flamingos vom Feuerberg!“


Dann kommt noch diese Sache mit den Hintergrundgeschichten der Ermittler. Ja, Persönlichkeit ist wichtig für einen Charakter, aber ich hatte das Gefühl, dass viel davon genutzt wurde um die Seiten zu füllen. Die Persönlichkeiten zu formen ist wichtig, aber in diesem Thriller versinken die eigentlichen Morde im Privatleben der Charaktere und da liegt mein Problem. Der Fokus liegt zu stark auf den Hintergrundgeschichten und zu wenig bei der eigentlichen Story. Den Täter liest man nur am Anfang kurz, dann im Mittelteil und am Ende sitzt er plötzlich beim kürzesten Showdown der Welt in seiner Küche.


Ein Beispiel für ein geschickteres Zusammenspiel von Hintergrundgeschichte und Storyline ist Die gute Tochter von Karin Slaughter (Rezension in unserer Bibliothek) und das Buch hat nur circa 60 Seiten mehr. Es ist also keine Frage des Platzes, sondern eine Frage der Technik und die ist meiner Meinung nach hier auf der Strecke geblieben.


Das ist eigentlich schade, denn die Idee zum Buch ist gut und hätte auch super genutzt werden können. Leider hat es mir dabei zu sehr gehakt. Die Sache mit der Offensichtlichkeit, zu viel Background und der misslingende Versuch, den Leser auf eine falsche Fährte zu führen, machen das Buch leider viel weniger spannend als es hätte sein können.


Das war ein vergleichsweise düsterer Booktalk, den ich so bis jetzt auch noch nicht hatte. Allerdings ist Geschmack ja bekanntlich immer etwas, über das sich streiten lässt. Einigen von euch hat das Buch vielleicht gefallen während der andere Teil von euch mir zustimmt. Von mir gibt es jedenfalls leider nur 2 Sterne.

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