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BookTalk - "Der Insasse" von Sebastian Fitzek


Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler!


Noch nie hatte ich einen Roman mit solch genialer Beschaffenheit in den Händen - »Der Insasse« von Sebastian Fitzek; ein Roman, der nicht nur innen, sondern auch außen der absolute Hammer ist. Lange haben wir wieder gewartet, und endlich war es dann soweit: Der neue Fitzek war draußen!


Ich möchte mich gar nicht lange mit der Inhaltszusammenfassung aufhalten – schlicht erklärt: Till ist ein zerbrochener Vater, denn sein Sohn Max wird nun schon seit einem ganzen Jahr vermisst, und keiner weiß, wo er sich befindet – vielmehr: Ob der kleine Junge noch lebt. Durch die Hilfe von Tills Schwager lässt er sich in die Klinik einschleusen, in der sich der vermeintliche Mörder befindet – Guido Tramnitz. Till versucht irgendwie an die Wahrheit von Tramnitz zu kommen – wo steckt Max, und hat Till noch eine reelle Chance, seinen Sohn lebend in den Armen halten zu dürfen?


Das Konzept vom neuen Thriller der Superlative von Fitzek ist einfach diabolisch gut – die Leser dürfen sich auf atemberaubende und nervenzerreißende Spannung freuen – nicht nur das, auf Plottwists und Cliffhanger, auf großartige Szenen und einer – wie immer – flüssigen Sprache. Ebenso war das Setting eine Klasse für sich. Fitzek schafft es, seine Thriller in beengten Räumen spielen zu lassen, die eine klaustrophobische Manipulationsmacht auf die Psyche des Leser bewirkt; dieses Konzept fand ich bereits bei Passagier 23 und Flugangst 7A so toll, denn auf beengten Räumen Mord und Totschlag zu präsentieren, grenzt an authentischer Leichtigkeit und psychischer Grenzüberschreitung – so eben auch bei »Der Insasse«, denn das Setting einer Psychiatrie ist beängstigend, intelligent und dennoch erdrückend, vor allem, weil der Leser weiß, dass es keinen Weg raus gibt und Till, unsere Hauptperson, ohne Aussicht auf Flucht festsitzt.


Sehr viele verschiedene Handlungsstränge lernen wir mit der Zeit kennen. Sei es Seda, Patrick Winter, Dr. Frieder, Dr. Kasov, Armin Wolf, Dr. Sänger, Pia Wohlfeil oder Ricarda – Fitzek präsentiert uns ein breites Repertoire von Deuteragonisten, die allesamt eine kleine Rolle spielen im Fall von Till – nicht zuletzt hat auch Tramnitz eine entsprechende Rolle, denn Tramnitz verkörpert schlicht das Böse in Person; ein skrupelloser Mensch mit dem Faible für Mord und Todschlag. Generell brauchen die Leser Nerven aus Stahl, denn was uns an Grausamkeiten serviert wird, übertrifft im wahrsten Sinne des Wortes die Grenze der Galle, doch bevor ebenjene Galle den Weg nach oben findet ist es schon wieder vorbei, und wir warten gespannt auf den nächsten Schachzug von Till – oder Tramnitz.


Der Thriller war zusammenfassend einfach genial, ein großartiger Roman, jedoch hätte ich mir – so Leid es mir tut und so komisch es klingen mag – wirklich ein anderes Ende gewünscht. Wenn ich ehrlich sein darf war ich sogar etwas enttäuscht, denn ich empfinde das Ende in »Der Insasse« abgepaust von Schema F, was man vom genialen Fitzek zwar vermutet, aber man doch enttäuscht ist, wenn diese Vermutung wirklich eintritt. Till ist in Wirklichkeit Patrick Winter, er hat eine Identitätsstörung und hat sich das alles eingebildet. Till existiert also nicht in dieser Form wie wir ihn kennengelernt – und ja, auch lieben gelernt haben. Und zum Schluss stellen wir fest, dass alles, was Till im Roman gemacht hat, nur das Produkt eines geisteskranken Insassen ist, und da frage ich mich dann: Warum dann diese Detailgenauigkeit? Mit wem hat Patrick dann telefoniert? Was war das dann als er anfangs in die Klinik geschleust wurde, und hatte Patrick jetzt einen Gehirntumor oder Hautkrebs – ich habe immer noch im Hinterkopf dieses Wort »Gehirntumor«, obwohl zum Schluss von Hautkrebs die Rede war. Kurz zusammengefasst: Als ich das Ende gelesen habe, wurde alles vorher gelesene über den Haufen geworfen – alljenes war nicht passiert; das Handy war Einbildung, die Tatsache dass Max Patricks Sohn ist Einbildung und dass Oliver zum Beispiel existiert – ebenfalls Einbildung, und diese Tatsache enttäuscht mich sehr, denn ein kitschiges Ende a la Till ist wirklich Till, er findet Max, überwältigt Tramnitz und lebt mit Ricarda wieder ein glückliches Leben hätte mir bei diesem Mal mehr gefallen, denn dieser Plottwist zum Schluss zerstört einfach alles bisher gelesene – und das fand ich sehr schade.


Das ist selbstverständlich aber nur meine Meinung – trotzdem war »Der Insasse« ein spannungsgeladener Thriller, der mir unglaublich gut gefallen hat. Das Ende ist nur eine persönliche Kleinigkeit für mich, die ich mit mir selbst aushandeln muss; der neue Psychothriller von Fitzek aber ist wiedermal ein grandioser Hammerschlag – tolle Unterhaltung mit exzellentem Spannungsverlauf und einmaligem Konzept. Volle fünf Sterne!


Buchinformationen


Titel: Der Insasse

Autor: Sebastian Fitzek

Verlag: DroemerKnaur

Seitenzahl: 365

Format: Hardcover

ISBN: 978-3-426-28153-6

Preis: 22,99 €

Dieser Beitrag enthält Werbung für "Der Insasse" von Sebastian Fitzek aus dem Verlag DroemerKnaur

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