• Daniel Allertseder

Blutwurst, Bier und Beichtgeheimnis


Im niederbayerischen Dörfchen Eichenberg kommt die Hofbauer-Metzgersschwester Claudia aus Berlin zurück. Mit im Gepäck: Ulkige, vegane Würstchen und allerlei neumodische, ungenießbare Feinkost. Im Food-Truck verkauft sie das seltsame Essen mit ihrem Team aber wie verrückt, die männlichen Einwohner haben nur Augen für Claudia. Doch als sie beginnen, ein noch neumodischeres Craft-Bier zu verkaufen, ist es den Eichenberger zu viel. Und zu allem Übel wird auch noch einer aus Claudias Runde tot aufgefunden. Nun liegt es wieder an Pfarrer Meininger und dem Dorfpolizisten Simeon Hirsch herauszufinden, was passiert ist und wer den Berliner Gockel umgebracht hat.


Nachdem mir "Himmel, Herrgott, Hirschgeweih" der niederbayerischen Autorin Fanny König so gut gefallen hat, habe ich mich sehr auf die Fortsetzung der Regionalkrimireihe gefreut, vor allem, weil das Sujet - also, das Thema - des Krimis sehr interessant und den aktuellen gesellschaftlichen Ereignissen des Veganismus und des provinziellen Verständnisses hierfür angepasst ist. Besonders gefallen am ersten Teil der Reihe um Dorfpolizist Simeon und Pfarrer Meininger hat mir die Ungezwungenheit, die leichtfüßige und unernste Art Fanny Königs, ihre Figuren durch das kleine Dörfchen Eichenberg zu schicken und den ersten Fall der beiden aufzulösen. Ein Schreibstil, der mit einer gewissen Portion verständlichem Dialekt versehen ist und Dialoge, die man auf jeden Fall als humorvoll zu bezeichnen weiß. In der Fortsetzung nun hat Fanny König ihren Schreibstil beibehalten - der Dialekt kommt nicht zu kurz, die ländlichen Beschreibungen findet man hier ebenfalls wieder. Jedoch waren mir diesmal die Dialoge und besonders die Gedanken des Pfarrers Meininger zu primitiv, zu bieder und einseitig. Meininger wirkte auf mich oft rückschrittlich, missbilligend und meinungsstur. Ja, in Bezug auf seine Köchin Maria war die Figur des Pfarrers auch sehr ablehnend und chauvinistisch. Mir war der Meininger oftmals sehr unsympathisch, da er sich stets bekochen lässt, sich beklagt, wenn das Essen nicht pünktlich auf dem Tisch steht und die Maria gerne mal tadelt, wenn es etwas gibt, was er nicht mag. Das Ensemble, also die Figurenkonstellation finde ich durchaus noch angemessen und für einen Dorfkrimi auch authentisch, nur war das Verhalten mancher agierender Charaktere manchmal etwas fragwürdig.


Die Szenen und Kapitel ziehen sich oftmals sehr in die Länge. So lesen wir vom Kauf in der Metzgerei oder vom Anschließen des sagenumwobenen Internets, ohne einen Bezug zum Konflikt zu haben. Wir lesen sogar erstmal über 170 Seiten, bevor überhaupt der Mord passiert, was ich als etwas zähfließend empfand. Ich habe bis dahin gelesen, keine Frage, nur hat man auf den Mord sehr lange gewartet, und davor von einigen Ereignissen gelesen, die man als nicht relevant kategorisiert.


Die Figuren wirken in diesem Roman sehr rückschrittlich, provinziell und weltverschlossen. Hier passt das Vorurteil der primitiven Bayern auf dem Dorf sehr, auch wenn ich meine, in der Realität wäre selbst das Dorf Eichenberg fortschrittlicher. Es werden oft Meinungen, gehässige Debatten und Dialoge angeregt, die ich zum Beispiel in meinem Dorf nie führen würde, weil selbst bei uns schon die westliche Modernität angekommen ist, die in Eichenberg anscheinend noch fehlt.


Den Fall aufgelöst hat letztendlich eine Figur, die anfangs vom Meininger noch belächelt wurde. Simeon und der Meininger haben zur Auflösung des Falls nur bedingt beigetragen, das Motiv wurde dann auch relativ schnell abgehandelt.


Ich sehe "Blutwurst, Bier und Beichtgeheimnis" als klassisches "Mittelteilsyndrom-Buch", wie man es in der Buchcommunity gerne nennt. Ein zweiter oder meist dritter Teil einer mehrteiligen Reihe, der einfach ein paar Schwächen zeigt. Bei diesem Teil finde ich lag es arg an der Länge und an der Auflösung des Falls. Auf den dritten Teil aber möchte ich mich trotzdem freuen. So hoffe ich, dass dieser dem ersten Teil wieder gerecht wird.


2 von 5 Sterne


Titel: Blutwurst, Bier und Beichtgeheimnis

Autorin: Fanny König

Verlag: Penguin

Format: Paperback

Seiten: 416

ISBN: 978-3-328-10461-2

Preis: 13,00 €

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