• Daniel Allertseder

Alle sind musikalisch - außer manche


Ach ja, nach dieser Lektüre darf keiner mehr von sich behaupten, es würde nicht ein Quäntchen Musikalität in ihm/ihr schlummern. Seien wir doch mal ehrlich: In jedem von uns steckt eine gewisse Menge Musik - der Blues der Zeit, das Wissen über ein wenig Musiktheorie, und sei es nur die Gewissheit, man wisse, wie man "Alle meine Entchen" sänge.


Und wenn es noch immer Ungläubige gäbe, die meinen Worten nicht glauben würden, so sollten sie doch das Buch von Christoph Reuter lesen - Musikkabarettist und enger Begleiter von Dr. Eckart von Hirschhausen auf seinen Tourneen. Reuter nämlich hat Musik - insbesondere den Jazz - wahrlich im Blut und führt uns Leserinnen und Leser tauglich und äußerst unterhaltsam in die fabelhafte Welt der Musik ein. In kurzen und prägnanten Kapiteln erzählt er uns alles, was man wissen sollte - und auch Jenes, was nett zu wissen, aber fürs Überleben nicht relevant ist. Trotzdem begeistert er mit spannenden und kuriosen Fakten aus dem Imperium der musikalischen Künste. Sei es die Tatsache, dass "Stayin' Alive" von den Bee Gees der exakte Takt für eine Herzrhythmusmassage ist (sollte jemand, der dieses Buch gelesen hat einmal in der Situation sein, eines Menschenleben retten zu müssen), wie verschiedene Genres dem Intelligenzquotienten zuzurechnen sind (Hip Hop = wenig intelligent; Klassik = sehr intelligent) oder welche Musik Katzen am allerliebsten hören. Aber auch ernste Themen wie die Gehälter von Berufsmusikern, wie die Charts eigentlich zustande kommen und wie sich der Preis einer echten Stradivari errechnet sind zahlreich im Buch enthalten. Zwischendrin findet man nicht nur erheiternde Illustrationen von Inka Hagen, sondern auch "Ohrwürmer der Stunde" (und ich sage Ihnen: Diese Ohrwürmer haben mich den Rest des Tages stets begleitet) sowie die Möglichkeit, selbst etwas ins Buch einzutragen. Und da bin ich doch generell sehr vorsichtig; ich würde doch nie etwas in ein Buch schreiben. Dieses Mal aber tat ich es, und ich muss sagen, es hat Spaß gemacht! Zum Schluss kam dann noch ein solider Teil der allgemeinen Musiktheorie, den ich getrost überspringen konnte. Ich genoss eine musikalische Früherziehung und spiele seit meiner späten Kindheit Klavier, so beendete ich das Buch etwas schneller als vielleicht Jene, die keine musikalische Lehre genießen durften.


Ein kleines Manko sah ich im Handwerklichen von Christoph Reuter. Der Schreibstil wirkte des Öfteren etwas holprig. Zudem hatte ich oft das Gefühl - besonders als es um Biografien oder Annotationen von noch lebenden oder bereits verstorbenen Musikern ging - dass die Texte so oder so ähnlich bereits in öffentlich zugänglichen Medien existieren, und diese mit nur wenigen Veränderungen so übertragen wurden. Besonders aufgefallen ist mir dieser Aspekt beim Kapitel über den schwedischen Songwriter und Musikproduzent Max Martin. Da habe ich einige Parallelen zu einem Artikel einer weltweit bekannten Enzyklopädie gefunden. Zudem empfinde ich den Preis von zwanzig Euro doch etwas stattlich.


Zusammenfassend aber ist "Alle sind musikalisch - außer manche" ein sehr erheiterndes, erquickliches und unterhaltsames Buch über die fabelhafte Welt der Amel ... ohje ... der Musik meinte ich. Der Leser erkennt die humoristische Ader des Autors und darf oft schmunzeln. Ein Buch, welches freudige Stunden Lesevergnügen verspricht. Auf jeden Fall empfehlenswert!


4 von 5 Sterne


Titel: Alle sind musikalisch - außer manche

Autor: Christoph Reuter

Verlag: Heyne

Format: Paperback

Seiten: 368

ISBN: 978-3-453-21803-1

Preis: 20,00 €

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