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"Anna" von Niccoló Ammaniti

Die „Rote“ hat gewütet; um sich gegriffen, die Menschheit ausgelöscht. Ein Virus, welcher gnadenlos Jeden ins Jenseits befördert, der nicht jünger als vierzehn Jahre ist. Nanu, ein Roman der Phantastik? Ein übersinnlicher Roman? Oh nein, keineswegs! „Anna“ ist viel mehr – doch lesen Sie selbst:


„Anna“, unsere Heldin, lebt seit kurzem in einem vergessenen und zerstörten Italien; mehr noch: In einem verwüsteten und ausgestorbenen Italien, auf Sizilien, der einst so wunderschönen Insel. Ein Virus hat die Menschheit dahingerafft, und nur die jungen menschlichen Geschöpfe dieser verwundeten Erde konnten überleben, so auch Anna und sein kleiner Bruder Astor. Fassungslos und überwiegend skrupellos beschreibt der italienische Bestsellerautor den Überlebenskampf, vielmehr die Odyssee der Geschwister, auf der Suche nach den „Großen“, die die Rettung sein könnten. 


Anna ist stark, keine Frage, jedoch aber auch ein naives Mädchen mit Trieb zur cholerischen Polemik. Sie gibt sich als Erwachsene, als Überlebenskünstlerin, als überlebenswichtigen Mentor für ihren kleinen Bruder, der das Leben noch mit verwaschenen Augen sieht und freilich keinen blassen Schimmer hat, was es mit der „Roten“ auf sich hat – jene Seuche, jener Virus der die Menschheit auf kürzester Zeit ausgerottet hat; fast gänzlich, lediglich die Kinder konnten überleben, jener junger Nachwuchs der bereits Verstorbenen. 


Das Dahinraffen des blauen Planets


Der Autor hat mit diesen Zutaten ein recht solides Werk geschaffen, welches – den Fakt außer Acht lassend, dass Kinder unter vierzehn Jahren immun gegen diese tödliche Krankheit sind, was für mich etwas widersprüchlich ist – außerordentlich kurzweilig und in sich logisch und stimmig ist. Mit einem hypotaktischem und auf einer hohen Abstraktionsebene befindenden Schreibstil erzählt uns Signor Ammaniti poetisch und prägnant die Geschichte um Anna und ihren Bruder Astor – der Skrupellosigkeit keinesfalls umgangen, denn was an Szenen und infamen Handlungen beschrieben werden, grenzt dies schon an einer dystopischen Endzeitgeschichte, die nur von jungen Helden bestritten werden darf. Des Autors Intention aber ist nicht nur der Drang, diese Geschichte schlicht niederzuschreiben, sondern auch Kritik an die schon lange bestehende Umweltsituation und die nur spärlich erfolgreichen Maßnahmen dagegen zu verlautbaren – und das vollkommen zurecht, denn wie lange wird es die Erde noch geben? Wie lange hält der – es mag Paradox erscheinen, aber – „blaue Planet“ noch durch? Der Autor hat vollkommen Recht: Wir selbst löschen die Menschheit aus, unser Erbe, unser Geschenk des Universums, wenn nicht die Erde selbst durch Naturkatastrophen, so übernehmen wir das Schicksal – wenn nicht durch nukleare Mittel, so doch irgendwann mit einer Seuche, die die gesamte Menschheit dahinraffen wird. In diesem Zusammenhang also ein großes Lob an den Autor, der die gesellschaftliche Kritik in seinem Roman – so war zumindest meine Interpretation – meisterhaft verpackt hat und eine gnadenlose Endzeitsituation dargestellt hat – definitiv aber kein Jugendroman mit Überlebensspielen oder übersinnlichen Elementen; keinesfalls, „Anna“ ist belletristisch hervorragend, ein Werk des Appells, des Wachrüttelns; vielmehr: Ein Werk der Warnung, welches unbedingt gelesen werden soll! 


Junge Helden des Schicksals


Vollkommen außer Acht gelassen habe ich nun die genaue Analyse der Charaktere, die ich noch kurz nachholen will: Unsere Protagonisten wären Anna und Astor, zwei sich gernhabende Geschwister, die zusammen dieses Martyrium meistern müssen. Astor ist starrköpfig, Anna sympathisch, jedoch des Öfteren nervtötend, was aber perfekt in den Rahmen dieser Geschichte passt. Dann gibt es noch Deuteragonisten; die zum Beispiel wären: Pietro – ein junger Bursche, der die beiden unterstützt, der mit ihnen auf den schwierigen Weg zu den Großen geht. Neben den Blauen und den dicken Jungs haben wir dann noch den Hund Coccolone; der die größte Sympathierolle im Roman erhält – eine emotionale Geschichte um ein liebevolles Tier meisterhaft verbunden und als wichtiges Element tragend – immer wieder bleibt der Atem stehen, weil man Schlimmes mit dem geschundenen Tier vermutet. Doch der Autor hat – so froh ich als Leser bin – immer wieder Barmherzigkeit mit dem Tier verspürt, und dafür danke ich ihm.


Solide und appellierend


Zusammenfassend darf ich sagen, dass mir „Anna“ sehr gut gefallen hat; ein unterhaltsamer Roman, eine Lektüre des Appells, nicht nur: Auch ein Werk, welches die Grausamkeit des Lebens und der Natur zeigt. In sich stimmig, mit einigen Kritikpunkten und für mich unzureichend ausgeführten Komponenten, dennoch aber sehr empfehlenswert und definitiv als wertvoll für die Literaturgeschichte zu betrachten!



Buchinformationen


Titel: Anna

Autor: Niccolo Ammaniti

Verlag: Eisele

Seitenzahl: 336

Format: Hardcover

ISBN: 978-3-10-96161-009-9

Preis: 20.00 €

Dieser Beitrag enthält Werbung für "Anna" von Niccolo Ammaniti aus dem Verlag Eisele.

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