Meine Meinung

 

„Die Farbe von Milch“ – ein unscheinbarer Titel; ein Titel mit Dramatik, aber auch ein leichter Titel, der nicht zu viel vom Buch verrät, der aber der Kernsatz der Literatur von Nell Leyshon ist. Der Roman aus dem Eisele Verlag polarisiert; er zeigt eine Welt, die so tatsächlich einst existierte – die Pointe erschreckend real, und der Konflikt auch noch in unserer Zeit anwendbar. Ein Roman, der mich mit all seinen Facetten faszinierte!

 

Gleich zu Beginn fiel mir der sehr ungewöhnliche Schreibstil auf; dieser rechtfertigt aber sehr schnell durch unsere Hauptfigur: Die 15-jährige Mary, die im „Jahr des Herrn“ 1831 für uns Leser dieses Buch verfasst hat. Der Roman enthält die Wahrheit. Die Wahrheit über Mary’s Biographie; über ihr unsinniges Leben als Magd und Mädchen für Alles; ihr Leben als Bedienstete, als Sklavin. Mary lebt nämlich in einer Zeit, als Väter und im Generellen die männlichen Zeitgenossen autoritäre Überväter waren – allmächtige Wesen mit ausholenden Fäusten und Drang zur erbarmungslosen Arbeit. Mary war mittendrin; Mary wurde als Feldarbeiterin eingesetzt, als Hausmädchen, als Sexsklavin: Nell Leyshon zeigt uns eine Welt fernab unserer; vor fast zweihundert Jahren eine Welt, die in der Postmodernen aber noch immer in vielen Regionen Alltag ist. Die Autorin zeigt uns, wie dieses Mädchen mit dem frechen Mundwerk und dem wahrhaftig ehrlichen Denken kämpfen muss, wie sie sich überwinden muss, wie sie Befehle abseits des Normalen nachgehen muss. Eine groteske Ansicht des Umgangs mit Frauen, im Besonderen mit Kindern. Nell Leyshon präsentiert uns daher Mary’s Odyssee durch einen sehr kindlichen Stil – mit enorm vielen Konjunktionen, Adjektiven und im Rahmen einer hypotaktischen Sprachebene; der Text fließt, der Roman „haut rein“, wir folgen Mary über ein Jahr hinweg – von Frühling bis Frühling, wobei sich von Monat zu Monat die Lage immer mehr zuspitzt, bis der Vulkan nach fast einem Jahr Feuer spuckt und sich Mary zur Wehr setzt – eine Prämisse, die sprachlos macht, eine Pointe, die den Leser nicht so schnell loslässt. Nell Leyshon ließ die Geschichte von Mary selbst erzählen, aus diesem Grund auch der sehr einfach gehaltene Schreibstil. Mir persönlich gefiel er sehr gut – ich dachte wie Mary, ich war in ihr drin, sie teilte mit uns Lesern ihre Emotionen und Gedanken, wir waren wie ihr zweites Ich, ein Ich, welches zusieht, ein Ich, welches keinesfalls über sie urteilt. Die ziellose Suche nach Freiheit; das Leben inmitten autoritärer Männer, in einem Zeitalter, in dem Frauen nichts weiter dürfen als arbeiten und den Haushalt machen, ein paradoxes Bild, welches uns die Autorin geschaffen hat, ein unvergessliches Phänomen, eine Erinnerung an die damaligen Verhältnisse zwischen Adam und Eva – kein Funke Gleichberechtigung oder Liebe, ein Sehnen nach Freiheit und dem Wunsch nach Fürsorge – ein radikaler Ausgang, der Eindruck hinterlässt; ein Werk, welches fasziniert!

Fazit

Nell Leyshon’s „Die Farbe von Milch“ ist eine unterhaltsame Lektüre mit einem Konflikt, der bewegt. Ein passender Sprachstil, eine hoffnungslose Odyssee über ein Mädchen, welches unglaublich gut konstruiert und präsentiert wurde. Ein radikales Ende, welches sprachlos macht – eine große Empfehlung!

Das Buch

 

Titel: Die Farbe von Milch

Autor: Nell Leyshon

Verlag: Eisele

Seitenzahl: 207

Format: Hardcover

ISBN: 9783961610006

Preis: 18.00 €

Von Daniel

Vielen Dank an Ullstein/Eisele für das Rezensionsexemplar!

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Ullstein/Eisele und enthält Werbung für "Die Farbe von Milch" von Nell Leyshon.

Bildquelle: © Eisele | www.eisele-verlag.de |2018

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